Ohr Tunnel – Anleitung und Hinweise zum RICHTIG Dehnen

Sogenannte Tunnel (oder auch Fllesh Tunnel”) erleben derzeit einen regelrechten Boom. Es handelt sich dabei um einen auf eine gewisse Größe aufgedehnten Piercingkanal, meist im Ohrläppchen, dessen Durchmesser über die bisherige Norm von etwa max. 1,6 mm hinaus geht.Und gerade weil diese vergrößerten Ohrlöcher mittlerweile fast zum alltäglichen Stadtbild dazu gehören, nimmt die Skepsis derer ab, die ebenfalls Tunnel tragen möchten. Soll heißen: Das Hinterfragen scheint gleichzeitig mit dem Nachfragen zu sinken. Darum haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, unseren Erfahrungsschatz mit euch zu teilen und euch aufzuklären, wie ihr einen Tunnel angemessen dehnt, ohne euch weitreichendere Verletzungen zuzufügen oder eurem Körper zu schaden, denn dies hätte u.U. auch die Folge, dass ihr euch den Tunnelwunsch leider abschminken könnt! 

Die „richtige” How To-Methode gibt es nicht, jeder setzt seine Prioritäten woanders. Allerdings sind Varianten schonender, andere wiederum effektiver  andere. Aber egal für welche man sich entscheidet, eines gilt immer: Dem Körper darf dabei  kein ungewollter Schaden zugefügt werden! Die einzelnen Methoden selbst möchten wir euch hier aufzeigen:

Selbst dehnen

Die schonenste, wenn auch langwierigste, aber gleichzeitig auch schmerzfreiste Variante ist es, sich mit speziellem Werkzeug seinen Stichkanal eigenmächtig aufzudehnen. Dabei wird im Laufe der Wochen und Monate nach und nach ein Dehnexpander nach dem anderen durch das Ohrloch geschoben, welches dadurch Millimeter für Millimeter vergrößert wird. Vorteil dabei ist, dass man sich ausreichend viel Zeit nehmen kann und das Gewebe somit nicht einreißt. (Sobald man einen leichten Druck verspürt, sollte natürlich nicht weiter gedehnt werden, um der Haut eine Regenerationspause zu gönnen!) 
 
Hier ein kleines Beispiel: 
Ein herkömmliches Ohrloch hat eine Größe von etwa 0,8 – 1,6 mm. Sagen wir, du möchtest es auf 10 mm vergrößern. Wir empfehlen stets in 2 mm-Schritten zu dehnen (gerne auch 1 mm-Schritte, aber bitte nicht mehr als 2 mm!), das sähe wie folgt aus:

  • Expander mit einer Endgröße von 2,0 – 2,5 mm wählen und innerhalb mehrerer Wochen allmählich durch das Ohrloch schieben.
  • Bei dessen Endgröße angelangt, folgt der Expander mit einer maximalen Stärke von 4 mm.
  • Anschließend 6 mm, 8 mm bis man innerhalb von etwa 10 Wochen (Minimum!) bei der Wunschgröße von 10 mm angelangt ist.

Das in einzelne Zwischenschritte aufgeteilte Werkzeug ist hierbei von enormer Bedeutung! Würde man direkt mit einem 10 mm-Expander starten, wäre durch das rasche Ansteigen des Durchmessers eine Seite des Ohrlochs folglich mehr gedehnt, als die andere! Außerdem wäre selbst die schmalste Stelle des Werkzeugs immer noch dicker als das zu dehnende Ohrloch selbst, was das Einführen praktisch unmöglich macht, bzw. zu einem Einreißen der Haut führen würde.

Fazit: Je mehr Zeit und Zwischenschritte man verwendet, desto einfacher und schmerzfreier vergrößert man seinen Stichkanal.

DER Dehner

In der Regel gibt es zwei verschiedene Arten von Expander, bei denen jeder für sich selbst herausfinden muss, womit er am besten zurechtkommt. Aufgrund der überwiegenden Vorteile empfehlen wir jedoch die Sicheln: 

Sicheln bzw.Spiralen überzeugen aufgrund ihrer Form mit einer vergleichsweise langen (und dementsprechend schonenderen) Dehnstrecke. Außerdem sorgt diese gleichzeitig für einen besseren Halt im Ohr und höheren Tragekomfort, z.B. beim Schlafen. Gerne werden sie auch nach dem Dehnen einfach noch als Schmuck getragen.Stäbe sind dagegen wesentlich unauffälliger, das Verletzungspotential ist allerdings aufgrund ihrer „Pfahl”-ähnlichen Form höher.

Auch das Aufdehnen mit Silikontunneln ist möglich, indem man einen der flexiblen Tunnel mit nächstgrößerem Durchmesser einsetzt und diesen „aufploppen” lässt. Da man dabei jedoch nahezu gar keine Kontrolle über den Dehnprozess hat, ist diese Methode höchst umstritten und ausschließlich bei Größen ab 14 mm aufwärts zu empfehlen. Sogenannte „2 in 1 Tunnel – Dehner” bieten den Vorteil, dass man direkt an das Expander-Ende den Tunnel schrauben kann. Ist der Stab also gänzlich durch das Ohrloch geschoben, schraubt man diesen einfach ab und ersetzt ihn durch den Tunnelverschluss.

  • Egal wie oder womit man nun dehnen mag, einige Dinge sollten von jedem beachtet werden:
  • Das Ohrloch sollte mind. 8 Wochen alt sein (ein geschossenes eher älter!).
  • Hände, Ohrloch sowie Werkzeug immer desinfizieren vor dem Ersteinsatz!
  • Vaseline oder geeignetes Gleitgel erleichtern den Vorgang und sorgen für Geschmeidigkeit.
  • Regelmäßiges Desinfizieren, um ein Einnisten von Bakterien zu vermeiden.
  • Ausgiebiges heißes Baden bzw. Duschen zuvor empfiehlt sich, um die Haut schön weich werden zu lassen.
  • Der Expander sollte permanent getragen werden. Sobald man ihn entfernt, beginnt der Kanal wieder mit dem Zusammenziehen.
  • Man sagt, das Gewebe könne sich bis zu einer Größe von 8-10 mm wieder zurück ziehen.
  • Da dies aber von verschiedenen Faktoren abhängt, ist dieser Pauschalwert natürlich keine Garantie und sollte nicht allzu wörtlich genommen werden!
  • Einen Millimeter Dehnweg sollte man je auf ca. eine Woche verteilen.
  • Bis einschl. 4 mm ist vorzugsweise mit Stahl zu dehnen, darüber hinaus ist auch Kunststoff möglich.

Expander aus Silikon oder organischen Materialien, wie Holz und Knochen, sind einerseits nicht nur weniger glatt, sondern können auch zum Bakterienherd ausarten. Bitte also ausschließlich später als Schmuck tragen.